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Serie zum Thema Demenz – Teil 2: Interview mit Christine Wolf, Geschäftsführerin DHP Häusliche Pflege GmbH, zum Thema ambulante Pflege

Das Interview führte Joachim Kübler

Wenn Angehörige an Demenz erkranken ist das ein längerer Prozess, sodass am Anfang eine Betreuung durch Angehörige oder Bekannte noch möglich sein kann.
Wie und wo lernen Angehörige den Umgang mit demenziell erkrankten Personen?

Die Pflegekassen, Pflegestützpunkte und Pflegedienste bieten Kurse, Selbsthilfegruppen und Infoveranstaltungen an. Ambulante Pflegedienste bieten im Rahmen der professionellen Pflegeberatung individuelle Beratung bei den Patienten vor Ort an.


Gibt es auch psychologische Unterstützung?

Es gibt, wie gesagt, Selbsthilfegruppen – dort kann man sich mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen. Alle anderen unterstützenden und therapeutischen Möglichkeiten muss man selbst oder über den Hausarzt organisieren.


Ab welchem Pflegegrad werden pflegende Angehörige finanziell unterstützt?

Ab Pflegegrad I gibt es sogenannte Entlastungsleistungen in Höhe von 125,- Euro im Monat. Damit kann man sich einige Stunden Betreuung bzw. Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst einkaufen. Mit zunehmendem Pflegegrad erhöhen sich die Beträge. Wie umfangreich die Pflege sein muss, spiegelt sich im Pflegeplan – der wird vom Pflegedienst, auf Basis einer individuellen und kostenlosen Beratung, erstellt. Am Ende entscheidet aber der Medizinische Dienst über die Höhe des Pflegegrades.


Ab wann sollten Angehörige die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes als Unterstützung in Betracht ziehen?

Bei fortgeschrittener Demenz – wenn die Aktivitäten des täglichen Lebens nicht mehr selbständig verrichtet werden können. Das heißt: Körperpflege, Toilettengang. Spätestens bei Bettlägerigkeit, um drohende Pflegerisiken zu vermeiden. Aber natürlich ist eine Unterstützung durch einen Pflegedienst jederzeit möglich – pflegende Angehörige das Gefühl haben, dass sie die Pflege alleine nicht mehr schaffen.


Was bleibt den pflegenden Angehörigen an finanzieller Unterstützung, wenn zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst beantragt wird?

Das kann man so nicht beantworten. Je nach Pflegegrad und erforderlichen Hausbesuchen bzw. Ausprägung der Pflegebedürftigkeit variiert die monatliche Kostenberechnung. Aber es gibt ja noch vor einer Zusammenarbeit, wie vorhin beschrieben, einen Pflegeplan – der beinhaltet natürlich auch die Kosten für die Leistungen des Pflegedienstes in transparenter Form.


Muss ein Pflegedienst auf die Pflege von an Demenz erkranken Personen spezialisiert sein bzw. worauf sollten Angehörige bei der Suche achten?

Nötig sind: Fachkenntnisse aus dem Bereich der Demenz, Empathie, Methodenkenntnisse und natürlich Geduld – aber das ist das Grundrüstzeug einer jeden examinierten Pflegefachkraft.


Welche Leistungen bieten ambulante Pflegedienste an?

Es fängt mit der kostenlosen Pflegeberatung an. Auf Basis des Pflegeplans muss man dann schauen, wer von der Familie, Freunden oder Nachbarn einbezogen werden. Dazu gibt es vom Pflegedienst auch eine kostenlose Pflegeschulung. Wenn Unterstützung nötig ist, übernimmt der Pflegedienst die Grund- und Behandlungspflegemaßnahmen.


Auch pflegende Angehörige brachen Urlaub oder werden krank – was dann?

Pflegende Angehörige, die erkranken oder aus anderen Gründen die Pflege vorübergehend nicht wahrnehmen können, haben Anspruch auf die sogenannte Verhinderungspflege. Die Kosten für den Pflegedienst übernimmt dann die Pflegekasse. Empfehlenswert ist eine vorherige Beratung durch einen ambulanten Pflegedienst. Zu klären ist die Häufigkeit der Einsätze, die Pflegetätigkeiten und der Einsatz weiterer Budgets.


Wann ist der Zeitpunkt für eine stationäre Unterbringung gekommen?

Das ist natürlich sehr individuell und abhängig von vielen Dingen wie zum Beispiel der psychischen Belastung von Angehörigen, potenziellen Gefahren im Haushalt durch eine voranschreitende Demenz oder das ergänzende Engagement innerhalb der Familie, aber auch von Freunde und Nachbarn. Grundsätzlich wollen 80 % der pflegebedürftigen Menschen zu Hause bleiben. Am Ende ist es meist die Schwere der Pflegebedürftigkeit und die Anzahl an täglichen und nächtlichen Einsätze, die Angehörige an Grenzen bringt.